Das englische Wort anapaest (in amerikanischem Englisch: anapest) ist ein Fachbegriff aus der Metrik, also dem Teil der Sprachwissenschaft, der sich mit dem Rhythmus und der Betonung in der Dichtung beschäftigt. Es beschreibt ein bestimmtes Versmaß – genauer gesagt, ein sogenanntes metrisches Fußmaß, das aus zwei unbetonten Silben gefolgt von einer betonten Silbe besteht. Auf Deutsch spricht man von einem Anapäst.
Bedeutung
Ein anapaest ist ein drei-silbiger Versfuß, dessen Betonungsmuster folgendermaßen aussieht:
da-da-DUM
Zwei unbetonte Silben, gefolgt von einer betonten Silbe. Es ist das Gegenteil des Daktylus (DUM-da-da).
Beispiele in der Lyrik
Englisches Beispiel:
„And the sound | of a voice | that is still“
(Lord Byron, The Destruction of Sennacherib)
Betonungsmuster:
da-da-DUM | da-da-DUM | da-da-DUM
Deutsches Beispiel (übersetzt):
„Und er kam | mit dem Sturm | und dem Zorn“
Verwendung
- In der englischen Dichtung
Anapaeste sind besonders beliebt in lyrischer und dramatischer Poesie. Sie verleihen dem Vers einen fließenden, oft musikalischen oder galoppierenden Rhythmus – ideal für mitreißende oder erzählende Gedichte. - In der Kinderlyrik und humorvollen Poesie
Da der Anapäst rhythmisch und leicht klingt, wird er auch in reimender Kinderliteratur und komischen Gedichten verwendet, zum Beispiel bei Dr. Seuss oder Edward Lear. - In modernen Gedichtformen
Auch in moderner Poesie kann der Anapäst vorkommen – oft kombiniert mit anderen Versfüßen, um einen abwechslungsreichen Rhythmus zu erzeugen.
Wirkung und Stil
Der Anapäst erzeugt:
- einen leichteren, schwebenden Rhythmus
- Bewegung und Dynamik im Vers
- eine gewisse Musikalität, die oft gut zu gesungenen oder gesprochenen Texten passt
Er eignet sich hervorragend für epische Erzählungen, lebendige Beschreibungen oder verspielte Reime.
Vergleich mit anderen Versfüßen
| Versfuß | Betonung | Beispiel |
|---|---|---|
| Jambus | da-DUM | to-DAY |
| Trochäus | DUM-da | TA-ble |
| Daktylus | DUM-da-da | EL-e-phant |
| Anapäst | da-da-DUM | in the NIGHT |
Etymologie:
Das Wort „Anapäst“ stammt vom altgriechischen ἀνάπαιστος (anápaistos), was wörtlich „zurückgeschlagen“ bedeutet (aus ana- = „zurück“ und paiein = „schlagen“). Der Begriff wurde verwendet, um die Umkehrung des Daktylus zu beschreiben, da dieser mit einer betonten Silbe beginnt. Der Begriff wurde über das Lateinische anapaestus ins Deutsche und Englische übernommen.
Synonyme und Antonyme
Synonyme:
- anapästischer Fuß
- dreisilbiger Versfuß mit Endbetonung
(keine exakten Synonyme, aber funktionale Umschreibungen)
Antonyme (metrisch entgegengesetzte Versfüße):
- Daktylus (betont – unbetont – unbetont)
- Trochäus (betont – unbetont)
- Jambus (unbetont – betont)
Englische Beispielsätze
- The anapaest is commonly used in light verse due to its galloping rhythm.
- In English poetry, anapaests often create a playful or musical tone.
Fazit
Das Wort anapaest ist ein schöner Beweis dafür, wie spezifisch und strukturiert die englische Sprache im Bereich der Poesie sein kann. Wer sich mit englischer Dichtung beschäftigt – sei es klassisch oder modern – kommt an diesem Begriff kaum vorbei.
Wenn du also das nächste Mal ein Gedicht mit einem tänzerischen, beschwingten Rhythmus liest oder schreibst, prüfe doch mal: Steckt da vielleicht ein Anapaest drin?

















